Museum Bad Arolsen - Ausstellungen im Schloß
Im inneren Westflügel des Schlosses zeigen das Museum Bad Arolsen und der Museumsverein wechselnde Ausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, zur aktuellen Kunst und zur Fotografie.
Das dreiflügelige, einen doppelten Hof weiträumig umschließende Residenzschloß, das Fürst Friedrich Anton Ulrich durch seinen Baumeister Julius Ludwig Rothweil planen ließ, orientierte sich an den modernsten Bauten der Zeit. Es sollte als ein barockes "Prachtgebäude" mit seinem Schmuck der Fassaden und der Dekoration seiner Innenräume die Ansprüche auf den erblichen Fürstentitel unterstreichen und den Ruhm des Hauses Waldeck verkünden.
Die Stiftung des Fürstlichen Hauses Waldeck und Pyrmont bietet durch die historisch ausgestatteten Räume des Cops de Logis Führungen an.
Im Westflügel befindet sich die Hofbibliothek, die Bibliothek Brehm und das Museum Bad Arolsen mit den Ausstellungen im Schloß.
16. Mai bis 11. Juli 2010
OstMenschen - WestMenschen
Dieter Demme - Pitze Eckart
Fotografien 1970 - 1990
60 Fotos aus dem privaten Archiv des ostdeutschen Fotografen Dieter Demme stehen in dieser Ausstellung ebenso vielen Aufnahmen des Westdeutschen Pitze Eckart gegenüber. Und überraschen: Denn Eckarts "Westmenschen" und Demmes "Ostmenschen" sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Weder bei der Kleidung noch bei den Frisuren lassen sich eindeutige Unterscheidungsmerkmale ausmachen. Nur an der Marlboro-, CocaCola- oder Binding-Bier-Werbung ist der Westen oftmals erkennbar. Diese Verstörung macht die Ausstellung so interessant und geradezu aufklärerisch.
Geboren im Entscheidungsjahr deutscher Zweistaatlichkeit 1949, hat Pitze Eckart stets aus der Perspektive seiner westdeutschen Sozialisation heraus sein Alltagsumfeld gesehen und fotografisch dokumentiert. Seine Bilderserien sind Facetten eines Gesellschaftspanoramas der "alten" Bundesrepublik. Motive aus der Bildungsarbeit von Industriegewerkschaften, der Arbeitswelt, von alten Menschen, von Behinderten gehören ebenso dazu wie Szenen aus einem Jugendhaus im nordhessischen Korbach und aus Dörfern der Rhön, wo er zeitweise lebte. Die Fotos weisen immer auch biografische Bezüge auf: Seinen Weg aus kleinbürgerlichen Verhältnissen an die Marburger Universität und direkt hinein in die politische Bewegung der 68er. Politisiert, wach und engagiert musste Eckart seine Motive nicht suchen, musste nicht eintauchen in unbekannte Milieus: Nein, er war selbst Teil des studentischen und politischen Alltags jener Aufbruchszeit der westdeutschen Gesellschaft, in der vieles in Frage und manches auf den Kopf gestellt wurde.
Der in Erfurt lebende Dieter Demme (Jg. 1938) beherrscht die Kunst des Hinschauens genauso perfekt wie das Handwerkliche. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Bildreporter entstand ein privates Archiv zur Alltagskultur. Die Bilder zeigen die Realität hinter den propagandistisch geschönten Kulissen: Porträts, die von hoffnungsvollen Aufbrüchen und gescheiterten Träumen erzählen; Städtebilder, die Provinzialität, Tristesse und zunehmenden Verfall wiedergeben, aber auch die kleinen, unspektakulären Schönheiten und Freuden des Alltags nicht ausblenden. Zahlreiche Aufnahmen belegen den Rückzug vieler Bürger ins Private. Fotos wie diese verkörpern die "andere" Fotografie in der DDR, die es sich im bewussten Gegensatz zur offiziell geforderten Fotoberichterstattung zur Aufgabe machte, kompromisslos festzuhalten, was um sie herum wirklich geschah und die zumeist im Verborgenen gedieh. Jetzt, wo Deutschland des 20. Jahrestages von Mauerfall und Einheit gedenkt, gerät sie verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Ihre gemeinsame Ausstellung rüttelt an Klischees, mühevoll gezimmerten noch dazu, mit denen wir uns auch heute noch, zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung, für den Alltag wappnen. Klischees, die wir irgendwie als Ballast erleben und trotzdem als Harnisch für unser Selbstwertgefühl mit uns herumschleppen – in West wie Ost!
Zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit wird die Ausstellungsreihe 2010/ 2011 in vier Orten in Thüringen und Hessen präsentiert: Bad Arolsen, Gera, Groß-Gerau und Erfurt.
Museum Bad Arolsen und Museum für Thüringische Volkskunde Erfurt
2009
Anitke(s) Leben
Simulation eines Ideals in der Hofbibliothek
und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont
2008
Emma Königin der Niederlande - Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont - Zum 150. Geburtstag. Toni Schneiders - Fotografien - Retrospektive aus dem Nachlaß
2007
Druet sieht Rodin - Photographie und Skulptur. Otto Fischer - Skulpturen und Zeichnungen. Sun- Rae Kim - Seerosen-Hommage an Monet - Skulpturen und Installationen
2006
Francisco de Goya: Gezeichnete Leidenschaft - Die Radierzyklen. Andreas Kopp: Kontinalverschiebung, Bilder und Installationen
2005
Dieter Schwerdtle "Ich und die anderen" Porträts von Künstlern und anderen Menschen - Fotografien - Die Schlösser der gepriesenen Insel: Gerhard Bätz und Manfred Kiedorfs große Welt - Architekturen und Szenen en miniature
2004
Georg Müller vom Siel (1865-1939): Landschaften, Gemälde und Graphik - Licht und Schatten, Fotografien von Weegee, The Famos - Emila Medokva: surreale Sujets der tschechischen Fotografin - Ingolf Timpner: Unzeitgemäße Betrachtungen, Photoarbeiten
2003
Dorothee von Windheim - Kinderwelten der Malerdynastie Kaulbach - Zwiesprache, Porträts aus der Photographischen Sammlung der Berlinischen Galerie
2002
Andreas Feininger, America Yesterday - Ludwig Knaus der Zeichner - Karikatur und Propaganda, Englische Bildsatire um 1800 aus der Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek
2001
Wilhelm von Kaulbach als Zeichner - True Fictions. Inszenierte Fotokunst der 1990er Jahre - Moritz Götze
2000
Michael Triegel - Dürer, Himmel und Erde, Gottes- und Menschenbild in der Druckgraphik - Lichtseiten. Die schönsten Bilder aus der Photographischen Sammlung der Berlinischen Galerie
1999
Friedrich Wilhelm Maul. Ein Porträtist des Biedermeier in Waldeck - Hartwig Hamer, Gerhard Kettner, Werner Stötzer - Ansichten vom Künstler. Fotografische Porträts seit 1945
1998
made in Arolsen. Zwischen höfischem Handwerk und Industriedesign. Hewi und die Kaulbachs - Albrecht Dürer. Die Kunst aus der Natur zu "reyssenn" - Fotografie in Deutschland nach 1945. Die Sammlung Schupmann
1997
made for Arolsen. Ulrike Rosenbach, Heather Sheehan, Annette Munk - Floris M. Neusüss - Sammlung Christa und Gerhard Wolf
1996
Ferenc Berko, Retrospektive. Stefphan Reusse - William Hogarth. Der Kupferstich als moralische Schaubühne - ver-rückt. Brian Tolle, Josiah McElheny, Matthew Ritchie, Toland Grinell, Alexander Ku, Adam Licht, Timothy Binkley
1995
Lucia Moholy, Bauhausfotografin - Quintessenz, Installationen Tony Clark, Seet van Hout, Michael v. Kaler, Jon Shelton, Ivo Ringe - Fotoinszenierungen, Sandy Skoglund, Arthur Tress
1994
Frank Rödel - Kleinplastiken des 19. Jh. aus der Sammlung der Nationalgalerie Berlin - Eva Witter und Harald Mante, Bildräume, Europäische Schlösser
1993
Horst Janssen - Barbara Klemm, Der Osten Europas; Robert Lebeck, Fotoreportagen - Angela Hampel. Ein Künstlerin aus Dresden
1992
made for Arolsen. Skulpturen und Projektionen. Larry Bell, Damien Hirst, Jeff Koons, Hanno Otten, Nicola Torke, Gerard Wiliams - indessen will es glänzen. Arolsen eine barocke Residenz
1991
Mechthild Kalisky. Skulpturen und Installationen - Neun Künstler aus Dresden - Horst Janssen 1990 Noumenon. Ingeborg zu Schleswig Holstein
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Samstag 14.30 bis 17.00 Uhr
Sonntag 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung
(05691 / 625 734)
Adresse
Schloßstraße 27, Bad Arolsen
Alle Häuser des Museum Bad Arolsen
