Museum Bad Arolsen - Ausstellungen im Schloss

Im inneren Westflügel des Schlosses zeigen das Museum Bad Arolsen und der Museumsverein wechselnde Ausstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, zur aktuellen Kunst und zur Fotografie.
Das dreiflügelige, einen doppelten Hof weiträumig umschließende Residenzschloss, das Fürst Friedrich Anton Ulrich durch seinen Baumeister Julius Ludwig Rothweil planen ließ, orientierte sich an den modernsten Bauten der Zeit. Es sollte als ein barockes "Prachtgebäude" mit seinem Schmuck der Fassaden und der Dekoration seiner Innenräume die Ansprüche auf den erblichen Fürstentitel unterstreichen und den Ruhm des Hauses Waldeck verkünden.
Die Stiftung des Fürstlichen Hauses Waldeck und Pyrmont bietet durch die historisch ausgestatteten Räume des Corps de Logis Führungen an.
Im Westflügel befindet sich die Hofbibliothek, die Bibliothek Brehm und das Museum Bad Arolsen mit den Ausstellungen im Schloss.

Ingolf Timpner
Lichtgestalten
Photoarbeiten
Interventionen im
Christian Daniel Rauch-Museum

11. März bis 30. Dezember 2015


Zu Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum werden zeitgenössische Künstler verschiedener Kunstgattungen eingeladen. Im Jahr 2012 begann die Reihe mit dem Bilderhauerpaar Julia Venske und Gregor Spänle. Ihre eigenwillig bizarren Skulpturen aus weißem Marmor eröffneten neue Einsichten zu den im Museum präsentierten Werken des Bildhauers Christian Daniel Rauch und anderer Bildhauer des Klassizismus. Wie Besucher bevölkerten ihre Figuren das Museum. Die fremden Wesen sind biomorphe Gebilde, die sich ihre Umgebung erforschend flach ausbreiten oder sich neugierig in die Höhe recken. Manche präsentieren alltägliche Gegenstände, die sich auch inhaltlich mit Persönlichkeiten der Goethezeit und ihrem Wirken beschäftigen. Die Ironie ist ein wesentliches Merkmal der Skulpturenwelt von Venske & Spänle.
Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch der Intervention „Lichtgestalten“ des Künstlers Ingolf Timpner zu eigen. Eine Intervention in der bildenden Kunst ist ihrer Absicht und ihrer öffentlichen Wahrnehmung nach ein Eingriff in bestehende Zusammenhänge. Die Intervention kann in Innen- und Außenräumen stattfinden. Sie thematisiert gesellschaftlich-soziale, kulturelle, funktionale, räumliche oder materielle Aspekte des Veränderten. Materialien jeder Art als auch Gegenstandsloses und Flüchtiges, wie Zeit, Licht, Klang und Bewegung im Raum können bei einer Intervention Verwendung finden.
Ingolf Timpner lebt und arbeitet in Düsseldorf. In seinen Fotoarbeiten faszinieren ihn Inszenierung und Zitat. Er arbeitet mit Modellen, die durch das Hinzufügen diverser Dinge und die Herangehensweise des Fotografen, wie die Festlegung des Bildausschnitts, Blickrichtung und Lichtführung, in einen erzählerischen Prozess eingebunden werden. Surreale Momente können dabei entstehen. Immer wieder finden sich Rückbezüge auf die Geschichte der bildenden Kunst. Seine fotografischen Inszenierungen sind irritierend. Sie durchkreuzen die vorgegebene Ordnung durch das Hinzufügen eines Details aus einem anderen und unerwarteten Zusammenhang.
Ingolf Timpner wählt aus den ausgestellten bildhauerischen Werken zwölf Porträtbüsten als Modelle aus. Die klassizistische Büste ist unbekleidet oder das Bruststück mit Draperien in antiker Manier verhüllt. Dieser Idee folgt Timpner, indem er die Modelle bekleidet. Auf den Fotografien lassen sich nur vereinzelt Kleidungsstücke konkret bestimmen. Das bleibt bewusst ungeklärt. Pelze und verschiedene Textilien mit unterschiedlichen stofflichen Texturen werden verwendet, wie z. B. gewalkte Wolle, Organza, Baumwolle, Leinen oder Camouflageeffekte.

Die Fotoarbeiten, aufgenommen im Analogverfahren mit Kameras aus den 1950er und 1960er Jahren, belichtet Timpner in Schwarzweiß stets im Format 51 x 51 cm auf Barytpapier. Barytpapier ist das klassische Fotopapier, das bis etwa in die 1970er Jahre zur fotografischen Ausarbeitung überwiegend verwendet wurde. Das kräftige Papier mit der Silbergelantineschicht vermittelt einen haptischen Eindruck und weist eine warme Tonalität auf, was an die Tradition historischer Meisterfotografien anschließt. Bewusst spart Timpner beim Auftrag der Entwicklerflüssigkeit die Ränder aus, sodass diese wolkig ausfransen und die Arbeiten eine malerische Qualität erhalten. Die Fotografien werden nicht plan gepresst, so dass ein zartes Relief entsteht. Die Motive, in einer Auflage von drei Exemplaren einzeln ausgeführt, unterscheiden sich durch diese Ausarbeitung. Die Fotoarbeiten werden dadurch zu Unikaten.
Bei der Platzierung der zwölf Fotografien in der Skulpturenwelt der Goethezeit im Christian Daniel Rauch-Museum wurde bewusst auf eine direkte Gegenüberstellung von fotografischer Arbeit und Bildnisbüste verzichtet. Nicht die Idee des unmittelbaren Vergleichs steht im Vordergrund, vielmehr werden inhaltliche Bezüge aufgegriffen - z. B. verwandtschaftliche Verhältnisse wie bei Großfürstin Alexandra von Russland und ihrem Sohn Alexander, freundschaftliche wie bei Christian Daniel Rauch und Alexander von Humboldt - oder kollegiale, vorbildhafte, dynastische, würdigende, ästhetische.
Jean-Claude Schmitt unterscheidet in einer Skizze für eine „allgemeine Geschichte des Gesichts, die es noch zu schreiben gilt“ das Gesicht dreifach, als Zeichen von Identität, als Träger von Ausdruck und schließlich als Ort einer Repräsentation im wörtlichen Sinn als Abbildung ebenso wie im symbolischen Sinn einer Stellvertretung. „Ist das Gesicht schon von sich aus ein Zeichen, so steht es auch für all das ein, was wir ihm zuschreiben, und schließlich für dasjenige, was es uns verbirgt.“

In seinen Arbeiten geht Ingolf Timpner der Frage nach dem Spiegelverhältnis, das zwischen Bild und Leben besteht, nach. Er bietet den Betrachtern, die sich auf die „Lichtgestalten“ einlassen, eine Sehschule an: Das klassizistische Porträt wird Teil unserer Gegenwart.

Interventionen im
Christian Daniel Rauch-Museum
Geöffnet Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Uhr,
Sonntags 11 bis 17 Uhr und
nach Vereinbarung 05691 / 625 734


2014
Robert Polidori - Spuren der Zeit - Fotografie
Barbara Beisinghoff - Das Gesetz des Sterns und die Formel der Blume - Wasserzeichen, Radierungen, Künstlerbücher und Installationen


2013
Blütenzauber - Fotografien und Installationen internationaler Künstler
Bill Beckley, Ottmar Hörl, Peter Hutchinson, Sandra Kantanen, Marie-Jo Lafontaine,
Renate Olbrich, Annette Schröter , Erasmus Schröter, Luzia Simons, Ingolf Timpner
Marjukka Vainio


Von Anfang an
25 Jahre Ausstellungen im Schloss
Ausstellung zum 25jährigen Jubiläum des Museumsvereins

Susanna Taras
Bezaubernde Blüten
Reliefs, Wandbilder, Collagen und Installationen

2012
Skulpturen: Jaume Plensa. Laura Ford. David Nash. Masayuki Koorida.
Dana Gluckstein - Dignity - Die Würde des Menschen - Fotografien

2011
Pablo Picasso - Malerbücher aus dem Kabinett der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Hanna Nitsch - "der kurz andauernde Genuss der Erdbeere"
Zeichnungen und Installationen

2010
Magum's first - Gesicht der Zeit -
Ostmenschen - Westmenschen, Dieter Demme - Pitze Eckart, Fotografien 1970-1990 -
Anitke(s) Leben
Simulation eines Ideals in der Hofbibliothek
und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont

2009
Anitke(s) Leben
Simulation eines Ideals in der Hofbibliothek
und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont

2008
Emma Königin der Niederlande - Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont - Zum 150. Geburtstag. Toni Schneiders - Fotografien - Retrospektive aus dem Nachlaß

2007
Druet sieht Rodin - Photographie und Skulptur. Otto Fischer - Skulpturen und Zeichnungen. Sun- Rae Kim - Seerosen-Hommage an Monet - Skulpturen und Installationen

2006
Francisco de Goya: Gezeichnete Leidenschaft - Die Radierzyklen. Andreas Kopp: Kontinalverschiebung, Bilder und Installationen

2005
Dieter Schwerdtle "Ich und die anderen" Porträts von Künstlern und anderen Menschen - Fotografien - Die Schlösser der gepriesenen Insel: Gerhard Bätz und Manfred Kiedorfs große Welt - Architekturen und Szenen en miniature

2004
Georg Müller vom Siel (1865-1939): Landschaften, Gemälde und Graphik - Licht und Schatten, Fotografien von Weegee, The Famos - Emila Medokva: surreale Sujets der tschechischen Fotografin - Ingolf Timpner: Unzeitgemäße Betrachtungen, Photoarbeiten

2003
Dorothee von Windheim - Kinderwelten der Malerdynastie Kaulbach - Zwiesprache, Porträts aus der Photographischen Sammlung der Berlinischen Galerie

2002
Andreas Feininger, America Yesterday - Ludwig Knaus der Zeichner - Karikatur und Propaganda, Englische Bildsatire um 1800 aus der Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek

2001
Wilhelm von Kaulbach als Zeichner - True Fictions. Inszenierte Fotokunst der 1990er Jahre - Moritz Götze

2000
Michael Triegel - Dürer, Himmel und Erde, Gottes- und Menschenbild in der Druckgraphik - Lichtseiten. Die schönsten Bilder aus der Photographischen Sammlung der Berlinischen Galerie

1999
Friedrich Wilhelm Maul. Ein Porträtist des Biedermeier in Waldeck - Hartwig Hamer, Gerhard Kettner, Werner Stötzer - Ansichten vom Künstler. Fotografische Porträts seit 1945

1998
made in Arolsen. Zwischen höfischem Handwerk und Industriedesign. Hewi und die Kaulbachs - Albrecht Dürer. Die Kunst aus der Natur zu "reyssenn" - Fotografie in Deutschland nach 1945. Die Sammlung Schupmann

1997
made for Arolsen. Ulrike Rosenbach, Heather Sheehan, Annette Munk - Floris M. Neusüss - Sammlung Christa und Gerhard Wolf

1996
Ferenc Berko, Retrospektive. Stefphan Reusse - William Hogarth. Der Kupferstich als moralische Schaubühne - ver-rückt. Brian Tolle, Josiah McElheny, Matthew Ritchie, Toland Grinell, Alexander Ku, Adam Licht, Timothy Binkley

1995
Lucia Moholy, Bauhausfotografin - Quintessenz, Installationen Tony Clark, Seet van Hout, Michael v. Kaler, Jon Shelton, Ivo Ringe - Fotoinszenierungen, Sandy Skoglund, Arthur Tress

1994
Frank Rödel - Kleinplastiken des 19. Jh. aus der Sammlung der Nationalgalerie Berlin - Eva Witter und Harald Mante, Bildräume, Europäische Schlösser

1993
Horst Janssen - Barbara Klemm, Der Osten Europas; Robert Lebeck, Fotoreportagen - Angela Hampel. Ein Künstlerin aus Dresden

1992
made for Arolsen. Skulpturen und Projektionen. Larry Bell, Damien Hirst, Jeff Koons, Hanno Otten, Nicola Torke, Gerard Wiliams - indessen will es glänzen. Arolsen eine barocke Residenz

1991
Mechthild Kalisky. Skulpturen und Installationen - Neun Künstler aus Dresden - Horst Janssen 1990 Noumenon. Ingeborg zu Schleswig Holstein

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Samstag 14.30 bis 17.00 Uhr
Sonntag 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung
(05691 / 625 734)

Adresse

Schloßstraße 27, Bad Arolsen

Alle Häuser des Museum Bad Arolsen

made for arolsen: J. Koons, Puppy (1992)





Joseph Beuys, 1982, documenta 7
www.schwerdtle-fotografie.de
"indessen will es glänzen" - Arolsen eine barocke Residenz: J.H. Tischbein d. Ä., Bekränztes Mädchen mit Räuchergefäß (1992)
Albrecht Dürer, Die Kunst aus der Natur zu "reyssenn" (1998)
made for Arolsen: Ulrike Rosenbach (1997)
Floris M. Neusüss, Körperfotogramm (1997)