Pressemitteilungen

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Otmar Alt - Muse küsst Kunst
Ausstellungen im Schloss
30. April bis 17. Juli 2016

Otmar Alt gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Gegenwartskunst, mit einem großen, vielfarbigen und außergewöhnlich populären Werk, das in den Jahrzehnten seiner Entwicklung weder die Lust am Fabulieren noch an farbiger Energie verloren hat.
Wir möchten den großen Erzähler und Gestalter Otmar Alt anlässlich seines 75. Geburtstages mit einer Ausstellung ehren, die nicht als eine Art Retrospektive gedacht ist und eine Lebensleistung zu bilanzieren versucht. Sie soll sich vielmehr ganz auf die jüngeren Arbeiten konzentrieren, die im Verlauf der letzten Jahre in seinem Atelier entstanden sind und bisher in dieser Geschlossenheit nicht öffentlich zu sehen waren.
Otmar Alt denkt und malt zyklisch, arbeitet große, aber auch sehr persönliche Themen in Bildserien auf, die, jedes für sich bereits erzählerisch angelegt, im Zusammenklang ein vielfarbiges Epos entstehen lassen. Diese jüngsten, mit großer malerischer Energie geschaffenen Gemäldezyklen dokumentieren, wie unverbraucht sein malerischer Atem und wie groß und beneidenswert jung seine bildnerische Phantasie geblieben ist. In einem Alter, wo andere sich längst zur Ruhe gesetzt haben und die Früchte ihrer Lebensleistung genießen, bleibt Otmar Alt geradezu unermüdlich bei seiner Arbeit, in seinem Bestreben, den Menschen – und nicht nur den Kunsteingeweihten! – etwas zu schenken, das ihr Leben bereichern, erweitern und in jedem Fall verschönern kann.
Der große Maler ist auch ein großer Humanist, und erst die Verbindung beider Sphären, die für ihn niemals zu trennen sind, macht aus seiner imposanten Lebensleistung ein zutiefst menschliches Bekenntnis. Den sozialen Grundsatz seiner künstlerischen Arbeit hat Otmar Alt niemals verloren, sondern seiner Kunst immer auch den Weg in den öffentlichen Raum und damit zur sozialen Kommunikation geöffnet. Dieses übergreifende Konzept einer öffentlich nicht nur erlebbaren, sondern auch wirkenden Kunst hat er vorbildlich und so wie kaum einer seiner Berufskollegen praktiziert und immer wieder den Dialog des Betrachters mit seinen Werken gesucht. „Ich will die Menschen erfreuen“, sagt Otmar Alt, „und wer das will, der muss offen auf sie zugehen und sie in ihrer gewohnten Umgebung treffen, quasi an ihrem Standort abholen.“ Dass dieses gelingt, zeigen die vielen Skulpturen und auch Wandbilder in öffentlichen Einrichtungen oder einem Stadtraum, der durch Otmar Alts Arbeiten in der Tat eine überraschende poetische Note gewinnt.

Dass es neben diesem selbstgestellten öffentlichen Auftrag immer auch den zurückgezogenen Künstler gegeben hat, der im Innern seines Ateliers an der bildnerischen Lösung ihn bedrängender Probleme arbeitet, der über Weg und Ziel der Weltgemeinschaft ebenso nachdenkt wie über das Wesen des Schönen, davon kündet der Reigen dieser Ausstellung mit ihren vielen persönlichen Themen und malerischen Facetten.

30. April – 17. Juli 2016
Otmar Alt
Muse küsst Kunst
Ausstellungen im Schloss
Museum Bad Arolsen und Museumsverein
Vernissage, 29. April 2016, 19 Uhr, Residenzschloss Arolsen, Kleine Museumsnacht 16. Juli 2016, Mittwoch bis Samstag 14.30 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, Sonntagsführungen 11.15 Uhr. Information 05691 / 625734

29. April 2016 -

Janusz Siewierski - Jugendliche

Zu Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum werden zeitgenössische Künstler verschiedener Kunstgattungen eingeladen.
In diesem Jahr stellt der Bildhauer Janusz Siewierski unter dem Thema Jugendliche seine Werke einzeln und in Gruppen aus und eröffnet neue Einsichten zu den im Museum präsentierten Werken des Klassizismus. Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch seiner Intervention zu Eigen. Der in Polen geborene Künstler absolvierte die Kunstakademie in Warschau und war Schüler von Stanislaw Kulon. Von 1989 bis 1992 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Kassel und war Schüler von Harry Kramer.

Eine Intervention in der bildenden Kunst ist ihrer Absicht und ihrer öffentlichen Wahrnehmung nach ein Eingriff in bestehende Zusammenhänge. Die Intervention kann in Innen- und Außenräumen stattfinden. Sie thematisiert gesellschaftlich-soziale, kulturelle, funktionale, räumliche oder materielle Aspekte des Veränderten. Materialien jeder Art als auch Gegenstandsloses und Flüchtiges, wie Zeit, Licht, Klang und Bewegung im Raum können bei einer Intervention Verwendung finden.

Die jugendlichen Modelle fand Janusz Siewierski in seinen Kindern und deren Freunden und Freundinnen. Sie bewiesen große Geduld im Modell stehen. Die Porträts in ganzer Figur entstanden in zwei Phasen 2011 bis 2012 und seit 2013 und zeigen einfühlsam die Veränderungen im Erwachsenwerden. Die frühe Figurengruppe ist statuarisch aufgefasst. Die Jugendlichen wirken schüchtern, suchend, während die späteren bewegter aber auch selbstbewusster präsent sind. Die Modellierung der Figur ist künstlerisch anspruchsvoll und beansprucht viele Sitzungen, die insgesamt 30 bis 35 Stunden einnehmen können. Die Oberflächen bleiben rau und suggerieren Lebendigkeit.

Janusz Siewierski wählt mit dem Bronzeguss eine klassische Methode mit jahrhundertealter Tradition. Der gesamte Arbeitsprozess bleibt sehr bewusst in der Hand des Künstlers. Der Bronzeguss ist komplex, folgende Arbeitsschritte sind notwendig: Modell – Negativform – Wachsmodell – Gussform – Brennen – Guss – Freilegung des Gusses – Überarbeitung – Ziselierung – Patinierung.
Der Künstler modelliert die Figur in Knetmasse, von der dann über eine Negativform in Gips das gleiche Modell in Bienenwachs erstellt wird. Dieses Wachsmodell ist Ausgangspunkt des Gusses. Um diese Figur wird dann die eigentliche Gussform aus Gips und Schamotte gebaut. Zuvor wird das Wachsmodell in Teile (z. B. Unterkörper, Oberkörper, Arme) zerlegt. Anschließend wird in die Hohlräume eine flüssige Masse aus Sand und Gips hineingefüllt, so dass der Kern der Figur entsteht. Nach dem Erhärten werden die Teilstücke zu einem Gussmodell zusammengefügt. Zum Fixieren werden Nägel in den Kern geschlagen und ein Kanalsystem zum Eingießen der Bronze und für das Entweichen der Luft wird angebracht. Die Gussform wird im Ofen bei steigender Temperatur über viele Stunden gebrannt, wobei gleichzeitig das Wachs ausläuft bzw. verbrennt. Der Guss selbst erfordert wegen der extrem hohen Temperaturen und der notwendigen Präzision hohe Aufmerksamkeit. Das flüssige Material wird in den Hohlkörper gegossen. Nach dem Erkalten der Bronze wird diese von der sie umgebenden Negativform befreit. Das Kanalsystem und die Nägel werden entfernt, die einzelnen Teile der Skulptur zusammengefügt und die Löcher verlötet. Die so gewonnene Bronzeplastik wird überarbeitet und patiniert. Für Janusz Siewierski ist das Beherrschen dieser Technik Teil der bildhauerischen Arbeit ebenso wie der Umgang mit dem Stechbeitel bei seinen Figuren aus Holz.

Der Skulpturenbestand des Christian Daniel Rauch-Museums ist in exemplarischer aber vor allem konzentrierter Weise ein Hort der künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Stil des Klassizismus. Rückgriffe und Verwandlungen antiker Ideen können in den Skulpturen und Reliefs anschaulich werden. Im Mittelpunkt dieser Kunst steht der Mensch, sei es als Bildnisbüste von antikischer Zeitlosigkeit oder als lebensnahes Porträt der Zeitgenossen, als ganzfiguriges Denkmal oder als privates kleines Relief, oder auch als Grabmal, das in harmonischer Auffassung den Verstorbenen als einen gleichsam schlafenden Menschen zeigt.

Die Kunst der Goethezeit ist geprägt von einem hohen Bildungsanspruch und einem anspruchsvollen Menschenbild, in dem sich die Überzeugung von der Würde des Individuums spiegelt und individuelle Lebensleistungen als Vorbilder und Ideale formuliert werden. In dem Glauben an die ethisch-moralische Vorbildlichkeit großer Denker und edler Herrscher wurzelt die Bedeutung, die dem Denkmal und dem Bildnis in dieser Zeit zukam und aus dem die Aktualität dieser Kunst resultiert.

Die Platzierung der Jugendlichen im Christian Daniel Rauch-Museum folgt der Prämisse, Bezüge herzustellen, inhaltlich oder formal kommentierend. Die Arbeiten Janusz Siewierskis fügen der Präsentation der Skulpturen der Goethezeit eine kommunikative Ebene hinzu: der Besucher vermag vielleicht das Flüstern oder leise Wispern der Jugendlichen zu hören, die miteinander sprechen über ihre Welt in der Skulpturenwelt.



29. März 2016 -