Pressemitteilungen

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PRESSEMITTEILUNG
August 2016


Ausstellung im Museum Bad Arolsen

Reise nach Arglosen
Laura J. Padgett
Martina Wolf

Installation, Fotografie und Video
made for Arolsen

10. September – 4. Dezember 2016

Eröffnung: 9. September 2016, 19 Uhr
Residenzschloss Bad Arolsen
Schloßstraße 27, 34454 Bad Arolsen



In der Reihe made for Arolsen lädt das Museum Bad Arolsen seit 1992 zeitgenössische Künstler ein, aktuelle Positionen im Residenzschloss Arolsen zu zeigen. Mit Laura J. Padgett und Martina Wolf wurden für die Ausstellung Reise nach Arglosen zwei Künstlerinnen aus dem Stipendienprogramm der Hessischen Kulturstiftung ausgewählt, die beide in den Medien Fotografie und Video arbeiten. Ihre Beobachtungen zu bau- und stilgeschichtlichen, funktionalen und historischen Aspekten des Schlosses verdichten sich in poetischen Bildern und radikalen Rauminszenierungen.

Das dreiflügelige Residenzschloss wurde im 18. Jahrhundert, angeregt durch die Schlossanlage in Versailles, vom Fürstenhaus Waldeck und Pyrmont erbaut. Die Innenräume des Repräsentationsbaus sind reich verziert mit Deckengemälden des italienischen Malers Carlo Ludovico Castelli, mit Stukkaturen von Andrea Gallasini und unter anderem mit Skulpturen des in Arolsen geborenen klassizistischen Bildhauers Christian Daniel Rauch. Auch heute noch ist die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek mit ihrem historisch bedeutsamen Buchbestand zugänglich: ein beliebtes Reiseziel insbesondere auch für niederländische Besucher, da 1858 Emma von Waldeck und Pyrmont im Schloss geboren wurde, die spätere Königin der Niederlande.


Laura J. Padgett beschäftigt sich in ihren Arbeiten seit langem mit öffentlichen und privaten Kunstsammlungen. Sie untersucht Ausstellungsobjekte und -szenarien auf ihre Bedeutungsqualitäten von gesellschaftlicher Repräsentation und porträtiert dadurch indirekt auch Sammlerpersönlichkeiten vor ihrem zeitgeschichtlichen Hintergrund.
Die Idee der Durchlässigkeit begleitet leitmotivisch Padgetts Fotografie- und Videoarbeiten für die Arolser Residenz. Details der Schlossarchitektur, das Nutzen von lichtdurchlässigen Stoffen, die Ein- bzw. Ausblicke in Innen- und Außenräume gewähren, Zitate aus historischen Reiseberichten über Arolsen verdichten sich zu einem assoziativen, poetischen Gefüge. Ihre Arbeiten sind von einer reichen malerischen Ästhetik, in der sich Historie und Gegenwart auflösen.

Martina Wolf interessiert sich für Fragen der Bildkonstitution, ihrer Wirkmacht und ihrer Verwendung im öffentlichen wie im privaten Raum. In ihren minimalistisch gehaltenen Foto- und Videoarbeiten transformiert sie Beobachtungen der realen Außenwelt zu modellhaften Bildsituationen.
Mit ihren installativen Arbeiten für das Schloss schafft die Künstlerin durch Montagetechniken neue Bildräume mit grafischen und malerischen Qualitäten. Wie ein Trompe-l’oeil fügt sie Einzelmotive, die sie unter anderem während ihres Stipendienaufenthaltes in Moskau 2008 aufnahm, in die historischen Räume ein. Der repräsentative Charakter der Architektur und der Ausdruck von Herrschaftsverhältnissen werden durch eine Ästhetisierung des Banalen und Alltäglichen aufgebrochen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Textbeiträgen von Gerhard Lang, Daniel Marzona und Ludwig Seyfarth.

Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Hessischen Kulturstiftung, des Museums Bad Arolsen und des Museumsvereins Bad Arolsen e.V.

Pressekontakt:

Hessische Kulturstiftung
0611 58534343
HessischeKulturstiftung@hkst.de

Museum Bad Arolsen
05691 625734
info@museum-bad-arolsen.de



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Janusz Siewierski - Jugendliche

Zu Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum werden zeitgenössische Künstler verschiedener Kunstgattungen eingeladen.
In diesem Jahr stellt der Bildhauer Janusz Siewierski unter dem Thema Jugendliche seine Werke einzeln und in Gruppen aus und eröffnet neue Einsichten zu den im Museum präsentierten Werken des Klassizismus. Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch seiner Intervention zu Eigen. Der in Polen geborene Künstler absolvierte die Kunstakademie in Warschau und war Schüler von Stanislaw Kulon. Von 1989 bis 1992 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Kassel und war Schüler von Harry Kramer.

Eine Intervention in der bildenden Kunst ist ihrer Absicht und ihrer öffentlichen Wahrnehmung nach ein Eingriff in bestehende Zusammenhänge. Die Intervention kann in Innen- und Außenräumen stattfinden. Sie thematisiert gesellschaftlich-soziale, kulturelle, funktionale, räumliche oder materielle Aspekte des Veränderten. Materialien jeder Art als auch Gegenstandsloses und Flüchtiges, wie Zeit, Licht, Klang und Bewegung im Raum können bei einer Intervention Verwendung finden.

Die jugendlichen Modelle fand Janusz Siewierski in seinen Kindern und deren Freunden und Freundinnen. Sie bewiesen große Geduld im Modell stehen. Die Porträts in ganzer Figur entstanden in zwei Phasen 2011 bis 2012 und seit 2013 und zeigen einfühlsam die Veränderungen im Erwachsenwerden. Die frühe Figurengruppe ist statuarisch aufgefasst. Die Jugendlichen wirken schüchtern, suchend, während die späteren bewegter aber auch selbstbewusster präsent sind. Die Modellierung der Figur ist künstlerisch anspruchsvoll und beansprucht viele Sitzungen, die insgesamt 30 bis 35 Stunden einnehmen können. Die Oberflächen bleiben rau und suggerieren Lebendigkeit.

Janusz Siewierski wählt mit dem Bronzeguss eine klassische Methode mit jahrhundertealter Tradition. Der gesamte Arbeitsprozess bleibt sehr bewusst in der Hand des Künstlers. Der Bronzeguss ist komplex, folgende Arbeitsschritte sind notwendig: Modell – Negativform – Wachsmodell – Gussform – Brennen – Guss – Freilegung des Gusses – Überarbeitung – Ziselierung – Patinierung.
Der Künstler modelliert die Figur in Knetmasse, von der dann über eine Negativform in Gips das gleiche Modell in Bienenwachs erstellt wird. Dieses Wachsmodell ist Ausgangspunkt des Gusses. Um diese Figur wird dann die eigentliche Gussform aus Gips und Schamotte gebaut. Zuvor wird das Wachsmodell in Teile (z. B. Unterkörper, Oberkörper, Arme) zerlegt. Anschließend wird in die Hohlräume eine flüssige Masse aus Sand und Gips hineingefüllt, so dass der Kern der Figur entsteht. Nach dem Erhärten werden die Teilstücke zu einem Gussmodell zusammengefügt. Zum Fixieren werden Nägel in den Kern geschlagen und ein Kanalsystem zum Eingießen der Bronze und für das Entweichen der Luft wird angebracht. Die Gussform wird im Ofen bei steigender Temperatur über viele Stunden gebrannt, wobei gleichzeitig das Wachs ausläuft bzw. verbrennt. Der Guss selbst erfordert wegen der extrem hohen Temperaturen und der notwendigen Präzision hohe Aufmerksamkeit. Das flüssige Material wird in den Hohlkörper gegossen. Nach dem Erkalten der Bronze wird diese von der sie umgebenden Negativform befreit. Das Kanalsystem und die Nägel werden entfernt, die einzelnen Teile der Skulptur zusammengefügt und die Löcher verlötet. Die so gewonnene Bronzeplastik wird überarbeitet und patiniert. Für Janusz Siewierski ist das Beherrschen dieser Technik Teil der bildhauerischen Arbeit ebenso wie der Umgang mit dem Stechbeitel bei seinen Figuren aus Holz.

Der Skulpturenbestand des Christian Daniel Rauch-Museums ist in exemplarischer aber vor allem konzentrierter Weise ein Hort der künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Stil des Klassizismus. Rückgriffe und Verwandlungen antiker Ideen können in den Skulpturen und Reliefs anschaulich werden. Im Mittelpunkt dieser Kunst steht der Mensch, sei es als Bildnisbüste von antikischer Zeitlosigkeit oder als lebensnahes Porträt der Zeitgenossen, als ganzfiguriges Denkmal oder als privates kleines Relief, oder auch als Grabmal, das in harmonischer Auffassung den Verstorbenen als einen gleichsam schlafenden Menschen zeigt.

Die Kunst der Goethezeit ist geprägt von einem hohen Bildungsanspruch und einem anspruchsvollen Menschenbild, in dem sich die Überzeugung von der Würde des Individuums spiegelt und individuelle Lebensleistungen als Vorbilder und Ideale formuliert werden. In dem Glauben an die ethisch-moralische Vorbildlichkeit großer Denker und edler Herrscher wurzelt die Bedeutung, die dem Denkmal und dem Bildnis in dieser Zeit zukam und aus dem die Aktualität dieser Kunst resultiert.

Die Platzierung der Jugendlichen im Christian Daniel Rauch-Museum folgt der Prämisse, Bezüge herzustellen, inhaltlich oder formal kommentierend. Die Arbeiten Janusz Siewierskis fügen der Präsentation der Skulpturen der Goethezeit eine kommunikative Ebene hinzu: der Besucher vermag vielleicht das Flüstern oder leise Wispern der Jugendlichen zu hören, die miteinander sprechen über ihre Welt in der Skulpturenwelt.



November 2016 -