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Pressemitteilung

Ingolf Timpner
Lichtgestalten
Photoarbeiten
Interventionen im
Christian Daniel Rauch-Museum

11. März bis 30. Dezember 2015

Zu Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum werden zeitgenössische Künstler verschiedener Kunstgattungen eingeladen. Im Jahr 2012 begann die Reihe mit dem Bilderhauerpaar Julia Venske und Gregor Spänle. Ihre eigenwillig bizarren Skulpturen aus weißem Marmor eröffneten neue Einsichten zu den im Museum präsentierten Werken des Bildhauers Christian Daniel Rauch und anderer Bildhauer des Klassizismus. Wie Besucher bevölkerten ihre Figuren das Museum. Die fremden Wesen sind biomorphe Gebilde, die sich ihre Umgebung erforschend flach ausbreiten oder sich neugierig in die Höhe recken. Manche präsentieren alltägliche Gegenstände, die sich auch inhaltlich mit Persönlichkeiten der Goethezeit und ihrem Wirken beschäftigen. Die Ironie ist ein wesentliches Merkmal der Skulpturenwelt von Venske & Spänle.
Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch der Intervention „Lichtgestalten“ des Künstlers Ingolf Timpner zu eigen. Eine Intervention in der bildenden Kunst ist ihrer Absicht und ihrer öffentlichen Wahrnehmung nach ein Eingriff in bestehende Zusammenhänge. Die Intervention kann in Innen- und Außenräumen stattfinden. Sie thematisiert gesellschaftlich-soziale, kulturelle, funktionale, räumliche oder materielle Aspekte des Veränderten. Materialien jeder Art als auch Gegenstandsloses und Flüchtiges, wie Zeit, Licht, Klang und Bewegung im Raum können bei einer Intervention Verwendung finden.
Ingolf Timpner lebt und arbeitet in Düsseldorf. In seinen Fotoarbeiten faszinieren ihn Inszenierung und Zitat. Er arbeitet mit Modellen, die durch das Hinzufügen diverser Dinge und die Herangehensweise des Fotografen, wie die Festlegung des Bildausschnitts, Blickrichtung und Lichtführung, in einen erzählerischen Prozess eingebunden werden. Surreale Momente können dabei entstehen. Immer wieder finden sich Rückbezüge auf die Geschichte der bildenden Kunst. Seine fotografischen Inszenierungen sind irritierend. Sie durchkreuzen die vorgegebene Ordnung durch das Hinzufügen eines Details aus einem anderen und unerwarteten Zusammenhang.
Ingolf Timpner wählt aus den ausgestellten bildhauerischen Werken zwölf Porträtbüsten als Modelle aus. Die klassizistische Büste ist unbekleidet oder das Bruststück mit Draperien in antiker Manier verhüllt. Dieser Idee folgt Timpner, indem er die Modelle bekleidet. Auf den Fotografien lassen sich nur vereinzelt Kleidungsstücke konkret bestimmen. Das bleibt bewusst ungeklärt. Pelze und verschiedene Textilien mit unterschiedlichen stofflichen Texturen werden verwendet, wie z. B. gewalkte Wolle, Organza, Baumwolle, Leinen oder Camouflageeffekte.

Die Fotoarbeiten, aufgenommen im Analogverfahren mit Kameras aus den 1950er und 1960er Jahren, belichtet Timpner in Schwarzweiß stets im Format 51 x 51 cm auf Barytpapier. Barytpapier ist das klassische Fotopapier, das bis etwa in die 1970er Jahre zur fotografischen Ausarbeitung überwiegend verwendet wurde. Das kräftige Papier mit der Silbergelantineschicht vermittelt einen haptischen Eindruck und weist eine warme Tonalität auf, was an die Tradition historischer Meisterfotografien anschließt. Bewusst spart Timpner beim Auftrag der Entwicklerflüssigkeit die Ränder aus, sodass diese wolkig ausfransen und die Arbeiten eine malerische Qualität erhalten. Die Fotografien werden nicht plan gepresst, so dass ein zartes Relief entsteht. Die Motive, in einer Auflage von drei Exemplaren einzeln ausgeführt, unterscheiden sich durch diese Ausarbeitung. Die Fotoarbeiten werden dadurch zu Unikaten.
Bei der Platzierung der zwölf Fotografien in der Skulpturenwelt der Goethezeit im Christian Daniel Rauch-Museum wurde bewusst auf eine direkte Gegenüberstellung von fotografischer Arbeit und Bildnisbüste verzichtet. Nicht die Idee des unmittelbaren Vergleichs steht im Vordergrund, vielmehr werden inhaltliche Bezüge aufgegriffen - z. B. verwandtschaftliche Verhältnisse wie bei Großfürstin Alexandra von Russland und ihrem Sohn Alexander, freundschaftliche wie bei Christian Daniel Rauch und Alexander von Humboldt - oder kollegiale, vorbildhafte, dynastische, würdigende, ästhetische.
Jean-Claude Schmitt unterscheidet in einer Skizze für eine „allgemeine Geschichte des Gesichts, die es noch zu schreiben gilt“ das Gesicht dreifach, als Zeichen von Identität, als Träger von Ausdruck und schließlich als Ort einer Repräsentation im wörtlichen Sinn als Abbildung ebenso wie im symbolischen Sinn einer Stellvertretung. „Ist das Gesicht schon von sich aus ein Zeichen, so steht es auch für all das ein, was wir ihm zuschreiben, und schließlich für dasjenige, was es uns verbirgt.“

In seinen Arbeiten geht Ingolf Timpner der Frage nach dem Spiegelverhältnis, das zwischen Bild und Leben besteht, nach. Er bietet den Betrachtern, die sich auf die „Lichtgestalten“ einlassen, eine Sehschule an: Das klassizistische Porträt wird Teil unserer Gegenwart.

Interventionen im
Christian Daniel Rauch-Museum
Geöffnet Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Uhr,
Sonntags 11 bis 17 Uhr und
nach Vereinbarung 05691 / 625 734


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